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    Social Project WS 18/19

    Wie jedes Semester veranstaltete Campus X auch im Wintersemester 2018/19 wieder ein Social Project. Der Satz klingt nur auf den ersten Blick nach einer Förmlichkeit, da die vergangenen Projekte in ihrer Umsetzung und Ausgestaltung nicht hätten unterschiedlicher sein können. Trotzdem stand dieses Halbjahr eine neue Erfahrung auf der Tagesordnung. Eine

    Woche lang hat uns die Tafel Pforzheim die Türen geöffnet, damit wir zusammen einen Einblick in den harten, aber in erster Linie herzlichen Ablauf ihres Alltages bekommen.

    Gleich an zwei Standorten in Pforzheim ist die Tafel vertreten. Ob das nun einen guten oder eher frustrierenden Gesamteindruck im Hinblick auf das stetige Vorantreiben sozialer Ungleichheit unseres Sozialstaats hinterlässt, muss diskutiert werden, aber nicht hier. Wir wollen euch von unseren Erfahrungen erzählen, die nicht positiver hätten ausfallen können. Und wer weiß, vielleicht findet sich der eine oder andere unter euch, der diese Erfahrungen auch mal machen möchte.

    Zwar öffnen sich die Tore der Tafel in der Oststadt im alten Postareal und in der Brötzinger Tafel erst um 10 Uhr, aber als wir um 7.30 Uhr eintrudelten waren die meisten Mitarbeiter schon anwesend. Es gibt schließlich viel zu tun. Nach den Hygieneanweisungen für uns Frischlinge ging es ohne Umwege an die Arbeit. Die Kernaufgabe unterteilt sich schlicht gesagt in zwei Arbeitsbereiche. Zum einen müssen die angelieferten Nahrungsmittel, die zum Großteil von den hier bekannten Supermärkten stammen, überprüft und umgepackt werden. Dass es sich dabei um die Verkaufsreste handelt, hat nur bedingt einen Beigeschmack. Wer denkt es handelt sich um minderwertige Produkte liegt nämlich falsch. Hier wird alles angeschwemmt was in unserer auf Konsum konditionierten Gesellschaft an „Abfall“ übrigbleiben würde. Natürlich sind auch, vor allem unter den schnell verderblichen Produkten wie Obst und Gemüse, zum Beispiel zerquetschte Trauben, eine matschige Banane dabei oder ähnliches. Als Faustregel beim Umpacken galt immer, gib nichts nach vorne in den Verkauf was du nicht selbst noch essen würdest. Gesagt, getan. Und selbst da hört die

    Wertschöpfungskette nicht auf. Was schlussendlich von uns als nicht gut genug betitelt wurde geht an den Wildpark, zumindest das, was für die Tiere verträglich ist. 

    Während bei der Sortierung der Lebensmittel zwischen den LKW-Ladungen, die sich auf rund 4-6 am Tag belaufen, schonmal eine kurze Verschnaufpause möglich ist, geht es im Verkauf etwas hektischer zu. Was für uns Praktikanten anfangs als ein wenig unübersichtlich erschien, erwies sich mit der Zeit als Bekanntheit. Ganz nach dem Zuruf-Prinzip eines Marktes werden die Lebensmittel in einen Korb gelegt, welcher dann an die Kasse weitergereicht wird. Dass sich ein Korb nur selten bis ganz oben füllt hat einen simplen aber umso wichtigeren Grund. Faire Verteilung. Damit sichergestellt wird, dass jeder Inhaber einer Berechtigungskarte auch versorgt werden kann, wird darauf geachtet, dass pro Kopf nur eine gewisse Anzahl an Punkten je Produktgruppe (Obst, Gemüse, Mehlprodukte…) vergeben werden. Das Punktesystem als Währungsäquivalent funktioniert super. Bezahlt wird selbstverständlich in Euro. Zur Orientierung, ein Brot oder Mehl geht für zwei Punkte über die Theke. Die Preise liegen über den Daumen gerechnet zwischen 10 und 20 Prozent von dem was dafür ursprünglich verlangt wurde. Dass dadurch keine wirtschaftlichen Luftsprünge möglich sind ist selbstredend. Dennoch entstehen laufend Kosten. Zur Miete wohnt auch die Tafel in ihrer städtischen Immobilie nicht kostenlos, auch LKWs und das Personal bezahlen sich nicht von allein. Dass überhaupt etwas für die Produkte verlangt wird hat trotzdem wirtschaftliche Hintergedanken, es dient der Steuerung des Kaufverhaltens. Wenn es etwas umsonst gibt, tendieren Menschen dazu die Dinge zu horten. Das kennt jeder von uns, wenn etwas umsonst ist wird gern im Überfluss zugegriffen. Es gibt aber noch einen weiteren Grund. Es soll niemand das Gefühl vermittelt werden es handele sich um Almosen. Viele genieren sich schon dafür auf die günstigen Lebensmittel angewiesen zu sein. Es ist das Ziel, den Kunden dieses Gefühl zu nehmen oder es zumindest nicht weiter zu bestärken.

    Das Team der Pforzheimer Tafel besteht zum Teil aus ehrenamtlichen Helfern/Helferinnen und zum anderen Teil aus Bedürftigen, die dort angestellt sind. Als homogene Einheit mit ruppigem aber immer von Freundlichkeit durchzogenem Umgangston kann man sie vielleicht am ehesten beschreiben. Die meisten kennen sich schon Jahre und dementsprechend gut sind die Beziehungen untereinander. Uns wurde ständig das Gefühl vermittelt, als wären wir schon eine ganze Weile mit an Bord. Vielleicht war das der Grund warum unsere Schicht wie im Fluge verging, vielleicht war es auch die willkommene Abwechslung neben dem Studium mal etwas getan zu haben, das Sinn ergibt, das Hand und Fuß hat und in erster Linie etwas, in dem es nicht ausschließlich um einen selbst geht.